Matte Oberflächen gefragt
Bürsten und nochmals Bürsten. Der Absatz steigt ungebremst. Kaum ein Lieferant verzichtet auf die borstigen Schleifkörper in seinem Sortiment. Und der Steinmetz? Der kann noch viel entdecken.
Was tut ein aufgeweckter Handwerker in einem schwierigen Markt? Er sucht neue Wege. In der Vermarktung, in der Präsentation, beim Produkt. Wie Stein zu bearbeiten ist, lernt jeder Steinmetz von der Pike auf. Und dabei bleibt es dann oft auch. Neue Oberflächen? Fehlanzeige. Die sind zwar auf Messen zu sehen, begriffen werden sie aber selten, sprich, was man damit machen kann. Dabei machen es moderne Werkzeuge einfach. Bürsten zum Beispiel. Da Bürsten gut manuell einsetzbar sind, genügt ein kräftiger Winkelschleifer mit Wasseranschluß und schon kann es losgehen. Eigentlich sollten das dem Steinmetz bekannt sein. Doch die Experimentierfreude scheint geringer, als man vermuten würde, sagen die Werkzeuglieferanten. Innovative Steinmetzen jedoch springen auf diese neuen Bearbeitungen an und nutzen die verschiedenen Schliffbilder, um ihre Steine noch vielfältiger zu präsentieren.
Der Siegeszug der aufgerauten Flächen kündigte sich bereits vor etlichen Jahren mit künstlich gealterten, auf „antik“ getrimmten Kalksteinen an, die als „Antikmarmor“ angeboten wurden. Zunächst wurde gestrahlt und dann gesäuert; der Glanz kam durch das abschließende Einwachsen. Das Verfahren war aufwändig, der Umgang mit der Säure gefährlich. Die Einführung der Silizium-Bürsten änderte vieles und seitdem werden neben Weichgesteinen auch Granite rein mechanisch „antik“ gebürstet.
Auch wenn das überwiegende Volumen nach wie vor die polierte Fläche ist, geht der Trend weg von der Politur zur in unterschiedlicher Weise geschliffenen Oberfläche, erklärt Stephan Goldschmid, Geschäftsführer der Goldschmidt-Niederlassung in Althengstett; dazu gehören für ihn auch satinierte oder gebürstete Flächen. Die Vielfalt der Schliffbilder ist sehr groß, eine Norm für die neuartigen Flächen gibt es nicht. Daher ist es nicht genau festgelegt, wie sich eine „Lederoptik“ von einer satinierten oder antikisierten Fläche unterscheidet.
Mit Bürsten werden überwiegend Granite und Gneise bearbeitet. Die Körnung der Antikbürsten geht hier zwar bis Korn 500, die meisten Anwender gehen jedoch bis Korn 120 bis 220. Gebürstete Oberflächen finden sich vor allem im Innenbereich, bei Böden, Theken und Wandverkleidungen. Im Außenbereich werden hauptsächlich die Böden satiniert oder antikgebürstet. Fassaden sind in dieser Bearbeitungsform noch nicht üblich.
Die größte Nachfrage registriert Goldschmidt bei Diamantbürsten zum Satinieren von Granit. Die Bürsten bestehen aus Nylonfäden, bei denen der Diamant von Korn 30 bis 6000 in den Faden eingebracht wird.
Als neuen Trend sieht Goldschmidt Mattschliffbürsten, die nicht mit Nylonfäden, sondern mit einem Flies ausgestattet sind. In dem Flies sind verschiedene Siliziumcarbid-Körnungen eingearbeitet. In der feinsten Stufe ist es ein reines Reinigungsflies. Zweck der Mattschliffbürsten ist, das Schliffbild nach dem Einsatz von Diamantbürsten nachträglich leicht zu verändern und Schleifrückstände, die sich in den Poren des Steins ablagern, zu entfernen. Diese Bürsten gibt es für den Handbetrieb und für Schleifautomaten.
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