Das müssen Sie beachten, damit beim Verlegen großer Formate nichts schiefgeht
Natursteinplatten mit großen Elementabmessungen werden schon seit vielen Jahrzehnten hergestellt und angewandt. Seit eh und je gibt es aber auch immer wieder technische Probleme bei der Verlegung dieser Formate. Vor allem herstellungstechnisch bedingte, geometrische Unzulänglichkeiten waren häufig die Ursache von Mängeln. Mit der stetigen Verbesserung der Herstellungsprozesse können heute Produkte mit sehr geringen Toleranzen hergestellt und maßbedingte Schwierigkeiten nahezu eliminiert werden. Insbesondere neue Entwicklungen bzw. Tendenzen im Bereich der Verlegeuntergründe wie neue Bindemittel, Leichtbauweisen, multifunktionale Konstruktionen etc. stellen den Natursteinverleger aber auch heute noch vor Aufgaben, die ein gehobenes Maß an Fachwissen und handwerklicher Fertigkeit voraussetzen.
Wie verlegt wird
Wie bei kleinen und mittleren Formaten werden auch bei der Anwendung großformatiger Platten die grundlegenden verlegetechnischen Anforderungen durch eine handwerklich saubere Platzierung der Elemente gebildet. Die Platten müssen in allen drei Raumdimensionen ausgerichtet sein. Insbesondere auf Höhenversätze benachbarter Platten – sogenannte Überzähne – ist hierbei zu achten. So sind zum Beispiel laut Merkblatt des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB) »Höhendifferenzen in keramischen-, Betonwerkstein- und Naturwerksteinbekleidungen und Belägen« mit 1,0 mm zuzüglich Stofftoleranzen hinzunehmen. Des Weiteren ist bei Außenanwendungen grundlegend – im Falle hoher zu erwartender mechanischer Belastungen auch in Innenbereichen – auf eine vollsatte, hohlraumarme Bettung (ggf. Buttering-Floating-Verfahren) der Platten zu achten. Aus geometrischen Gründen lassen sich die genannten Anforderungen bei Belagsabmessungen, die größer als 300 Millimeter sind, nur bei einer entsprechenden Ebenheit der Verlegeuntergründe sicher erreichen.
Sofern eine Ausschreibung keine besonderen Vorgaben enthält, werden Verlegeuntergründe in der Regel entsprechend den Zeilen 3 bzw. 6 der Tabelle 3 nach DIN 18202 (Toleranzen im Hochbau) eingebaut. Die hiermit verbundenen, zulässigen Unebenheiten sind so groß, dass die Verlegung großformatiger Platten mit einem stärkeren Verlegebett (Mittel- oder Dickbett) vorgenommen werden muss, um die Grundanforderungen zu erfüllen. Insbesondere bei Dickbettmörteln ist es jedoch fraglich, ob – etwa bei der Verlegung von dichten Natursteinplatten wie z.B. Quarzit oder Schiefer – stets eine ausreichend große Adhäsion erreicht wird, die einen sicheren Haftverbund zwischen Natursteinplatte und Untergrund gewährleistet. Diese ist aber Voraussetzung, dass der Belag allen Beanspruchungen einer späteren Nutzung standhält. Insbesondere die Verlegung im sogenannten Dickbett von Kunst- und Natursteinen ist oft problematisch, da hier wegen der höheren Materialstärken große Feuchtigkeitspotenziale vorhanden sind, die sehr schnell zu Verformungen oder optischen Beeinträchtigungen führen können.
Sicher im Mittelbett
Sehr sichere Verlegevarianten für die geschilderten Anwendungsfälle ließen sich über entsprechend konzipierte, kunststoffvergütete Dünnbettmörtel erreichen. Die hierfür notwendigen Ebenheiten der Untergründe lassen sich aber kaum erreichen, auch wenn die Ebenheitstoleranzen mit erhöhten Anforderungen entsprechend der Zeilen 4 und 7 der Tabelle 3 nach DIN 18202 eingehalten werden. Allenfalls bei einer exakten Vorbereitung der Untergründe mit leichtverlaufenden Ausgleichsmaßen können geometrische Verhältnisse geschaffen werden, die eine ausreichende Bettung größerer Belagsmaterialien bis 600 Millimeter Kantenlänge mit Dünnbettklebemörteln ermöglichen.
Der Regelfall bei der Verlegung großformatiger Platten ist eine Klebebettdicke von 10 bis 20 Millimetern, also die Anwendung sogenannter Mittelbettmörtel. Um eine ausreichende Adhäsion sicher zu stellen, empfiehlt sich der Einsatz kunststoffvergüteter, fertigkonfektionierter Produkte, welche die Anforderungen für C2-Kleber der EN 12004 nicht zu knapp erreichen sollten.
Für die sichere Verlegung verformungs- und verfärbungssensibler Natur- und Kunstwerksteine ist, über die Qualitätsanforderung C2 hinaus, auch eine schnelle Erhärtung sowie eine schnelle Trocknung des jeweiligen Produktes zwingend erforderlich. Geeignet sind spezielle Verlegemörtel, die, über die normale Wasserbindung infolge der Hydratation von Zementen hinaus, zusätzliche Bindemittelkomponenten besitzen, die für einen rascheren und effektiveren Feuchtigkeitsabbau sorgen. Nur durch solche Bindemittelkombinationen lassen sich die Risiken von Verfärbungen und Verformungen (Aufschüsselungen) im Verlegeprodukt, hervorgerufen durch rückseitig einwirkende Feuchtigkeit, minimieren. Die bloße Verwendung von Verlegeprodukten der Spezifikation C2F (wobei das F für »fast«, also schnell steht), reicht hierfür nicht aus.
Mehr Format, mehr Aufwand
Wer nun aber glaubt, dass es bei der Verlegung größerer Plattenformate mit ein »wenig« mehr Sorgfalt bei der Herstellung der Untergründe und etwas mehr Materialeinsatz durch die Verwendung von Mittelbettklebern getan ist, liegt falsch. Jede Korrektur an einer soeben verlegten Platte, die ihrer handwerklich sauberen und möglichst vollsatten Platzierung dient, verursacht entsprechende Lageänderungen an ihrer jeweils gegenüberliegenden Seite. Akkordarbeit funktioniert nicht, wenn die Formatgrößen zunehmen. Denn notwendige Korrekturen, etwa zur Vermeidung von Höhenversätzen benachbarter Platten, sind kompliziert bei großen Formaten.
Deren Verlegung erfordert nicht nur einen höheren Aufwand bei der Herstellung der Untergründe und einen erhöhten Materialeinsatz. Auch der handwerkliche Aufwand bei der Platzierung der Elemente wächst mit zunehmenden Formaten. Das sollte nicht nur der Verleger berücksichtigen. Auch der Auftraggeber sollte darauf bei der Bewertung der eingeholten Angebote achten.
Spannungen abbauen
Natursteine sind im Vergleich zu den Materialien üblicher Verleguntergründe wie Beton, Zement- und Calciumsulfatestriche sehr feste und verformungsunwillige, spannungsanziehende Stoffe. Wenn sich ein Natursteinbelag etwa infolge direkter Sonneneinstrahlung erwärmt und der unter ihm befindliche Estrich diese Temperaturänderung erst zeitversetzt wahrnimmt, dann entstehen, zumindest vorübergehend, Spannungen, die den Haftverbund beider Materialien beanspruchen. Die Höhe der Spannungen hängt neben der absoluten Temperaturänderung von den Steifigkeitsunterschieden (Festigkeitsunterschieden) der beteiligten Werkstoffe ab. Die Steifigkeit des Belages wiederum wird durch sein Fugennetz mit bestimmt. Fugen machen den Belag »weicher« und verschieben somit sein Festigkeitsniveau in Richtung jenes des Untergrundes. Bildlich ausgedrückt wirken die Belagsfugen ähnlich wie Federn. Nimmt mit größer werdendem Belagsformat nun der Anteil an Fugen ab, erhöht sich im gleichem Maße die Steifigkeit des Belages gegenüber seinem Verlegeuntergrund und lässt damit auftretende Spannungen höher anwachsen, als dies bei einem kleinformatigen Belag der Fall wäre.
Je nach vorhandenen Randbedingungen wie Feldgrößen, Temperatureinwirkungen, Farbe des Belages etc. kann es notwendig sein, einen Verlegemörtel zu verwenden, der eine hohe Verformbarkeit der Kategorie S2 gemäß EN 12004 sicherstellt. So kann einem erhöhten Spannungsaufbau zwischen Untergrund und Belagsmaterial, hervorgerufen durch ein weniger ausgeprägtes Fugennetz, dämpfend entgegengewirkt werden. Schadenauslösende Risiken werden somit kompensiert oder zumindest reduziert.
Verlegemörtel mit hoher Verformbarkeit gemäß EN 12004 (S2-Kleber, z.B. Mapei Elastorapid), sind, wenn es sich um mineralische Produkte handelt, in der Regel zweikomponentig. Die zugehörigen Flüssigkomponenten enthalten spezielle, flexibilisierende Polymere, die aufgrund intensiver Forschungstätigkeiten in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung genommen haben.
Verlegung im Verband
Äußerster Beliebtheit erfreuen sich seit vielen Jahren großformatige Platten mit rechteckigen Außenabmessungen. Vor allem Platten mit dem Format 30/60 cm in Bahnen verlegt bilden einen Trend, der aus der Palette der gestalterischen Möglichkeiten nicht mehr wegzudenken ist. Und wehe, wenn ein solches Format nicht im Verband verlegt wird.
Der Kunde oder Auftraggeber ahnt jedoch nicht, dass er von seinem ausgewählten Natursteinverlegebetrieb unter Umständen eine recht riskante Ausführung verlangt, wenn er das in einer Ausstellung anhand von Mus-tern oder Schautafeln gesehene Erscheinungsbild eines verzahnten Belages etwa in seinem Wohnzimmer unbedingt wiederfinden möchte.
Neben den schon erläuterten Auswirkungen eines abnehmenden Fugennetzes bei größer werdenden Plattenformaten erfährt ein Belag einen weiteren, versteifenden Effekt, wenn seine Fugen zumindest in einer Richtung nicht durchlaufen.
Fachleute warnen regelmäßig vor dem erhöhten Risiko von Rissbildungen bei versetzt angeordneten Belagsfugen. Natürlich hängt das tatsächliche Risiko auch hier wieder von den Randbedingungen ab. Ein Belag, der durch geradlinig verlaufende Bewegungsfugen in kleinere Felder eingeteilt ist, wird ein geringeres Rissrisiko aufweisen als ein entsprechender Belag mit großen Feldern.
Das Merkblatt des ZDB »Keramische Fliesen und Platten, Naturwerkstein und Betonwerkstein auf beheizten zementgebundenen Fußbodenkonstruktionen mit Dämmung« empfiehlt in diesem Zusammenhang unter Punkt 6.5 »Verlegung von großformatigen Platten« die Verlegung großformatiger Fliesen und Platten ≥ 0,1 m2 mit geradlinig durchlaufenden Fugen (Fugenschnitt) und nicht mit versetzten Fugen (Verband) vorzunehmen.
Es liegt auf der Hand, dass dieser Rat auch auf nicht beheizte Bodenkonstruktionen ausgedehnt werden kann, wenn sie sich im Außenbereich befinden oder in Innenräumen hinter großen, sonnenbeschienenen Fensterfronten. Nun können derartige, letztendlich nicht bindende Empfehlungen den Auftraggeber von seinem festen gestalterischen Vorhaben kaum abbringen. Bei objektiver Betrachtung muss man auch eingestehen, dass eine Rechteckplatte, im Fugenschnitt verlegt, tatsächlich ein wenig gewöhnungsbedürftig aussieht. Das Risiko trägt am Ende dann doch wieder der Fachbetrieb. Da wäre es dann zu begrüßen, wenn sich der Kunde zumindest davon überzeugen ließe, in risikominimierende Maßnahmen bei der Verlegung zu investieren. So liegen im geschilderten Fall durchaus gute Erfahrungen mit entkoppelnden Zwischenschichten vor.
Der Markt bietet in diesem Zusammenhang eine Reihe an Platten (z.B. Mapei Unireno), Matten oder Vliesen (z.B. Mapei Mapetex) an, die zunächst mit speziellen Klebesystemen am Untergrund fixiert werden, bevor dann hierauf die Verlegung des Belages erfolgt. Durch die energiezehrenden Eigenschaften dieser Produkte werden sich aufbauende Spannungen zwischen Untergrund und Belag reduziert. Aufgrund der vielfältigen, objektspezifischen Einflüsse auf die Wirksamkeit der beschriebenen Maßnahme empfiehlt sich jedoch stets eine sachkundige und verbindliche Beratung durch den jeweiligen Hersteller der Entkopplungsschicht vor Ort. Eines können aber auch die verschiedenen Varianten der erwähnten Entkopplungslösung im Zusammenhang mit der Verlegung großformatiger Rechteckplatten nicht vermeiden: dass der Verband, beim Anlegung der notwendigen, geradlinig verlaufenden Bewegungsfugen gebrochen werden muss.
Sonderfälle
Hersteller von Trockenestrichen, Doppel- oder Hohlraumböden begrenzen im Falle einer Bekleidung ihrer Erzeugnisse mit harten Belagswerkstoffen die Kantenlängen in der Regel auf maximal 300 Millimeter. Grund ist, dass auch bei einer steifen Ausbildung der Konstruktion die Nachgiebigkeit des Bodens im Vergleich zu harten Nutzbelägen relativ groß ausfällt. Bei einer entsprechenden mechanischen Belastung aus der jeweiligen Nutzung steigt mit zunehmenden Kantenlängen der Belagsmaterialien die Gefahr von Rissbildungen. Eine Verlegung von wirklich großformatigen Platten ist demnach auf derartigen Untergründen zunächst nicht möglich.
Eine weitere Besonderheit ist bei Doppelbodenkonstruktionen zu beachten. Wiel hier die einzelnen Bodenkonstruktionselemente untereinander verklebt sind, kommt es bei mechanischen Belastungen aus der Nutzung zu einer sogenannten Durchlaufwirkung. Hierdurch entstehen Zugbeanspruchungen an den Oberseiten der Böden, die wiederum zu Rissen in Belagsmaterialien führen können, wenn der Belag über die Zwischenauflagerpunkte hinweglaufend verlegt wird.
Die Hersteller von Doppelböden bieten teilweise bereits werkseitig mit Belagsmaterialien versehene Konstruktionselemente an. Bei der Installation derartiger Elemente ergibt es sich zwangsläufig, dass die Belagsmaterialien nicht über die Zwischenauflagerpunkte hinweglaufen, sondern hier mit einer Fuge aneinanderstoßen. Damit sind Rissbildungen im Belag infolge der angesprochenen Durchlaufwirkung ausgeschlossen.
Bei der Anwendung der genannten Konstruktionsarten können auch die zuvor erwähnten Entkopplungsmaßnahmen nicht immer Abhilfe schaffen. Hierzu müssten sie nämlich, neben ihrer spannungsabbauenden Wirkung in der Ebene, insbesondere auch senkrecht zu ihrer Ebene nachweislich einen deutlichen Beitrag zur Reduzierung der Durchbiegungen unter Last bzw. zur Versteifung der Konstruktion leisten. Solche Maßnahmen erscheinen jedoch nur im Einzelfall sinnvoll, wenn etwa vor der Bekleidung einer bereits eingebauten Konstruktion ihre fehlende Stabilität festgestellt wird.
Sofern die Planung einer Bodenkonstruktion dies noch zulässt, sind versteifende oder durchbiegungsbeschränkende Maßnahmen wie etwa dickere Konstruktionselemente oder zusätzliche Unterstützungspunkte, wirtschaftlicher.
Autor: Andreas Poitz |