Spitzenplätze bei Kalkstein und Marmor: Türkei und Ägypten
Die Türkei verfügt über das größte metamorphe Gesteinsmassiv der Welt mit reichhaltigen Marmorablagerungen. Die türkische Generaldirektion für Mineralien und Exploration schätzt, dass die Türkei rund 40 Prozent des weltweiten Marmorvorkommens besitzt. Wieviel es genau sind, darüber streiten die Experten. Bei der Abbaurate von acht Millionen Tonnen sollen sie für weitere 7000 Jahre ausreichen.
Abgebaut werden mehr als 250 verschiedene Natursteine; Marmor hat daran den größten Anteil, gefolgt von Travertin, Onyx und Granit. Wegen der gut ausgebauten Infrastruktur und Verkehrsanbindung konzentrieren sich die Gewinnung und Verarbeitung auf den Westen und den mittleren Süden der Türkei. Die Reserven der einzelnen Materialien schwanken stark; eindrucksvoll sind die bis zu 3000 Meter dicken Kalksteinbänke von Bilecik. Bedeutend sind auch die Marmorvorkommen in Afyon oder bei Milas, die schon seit der Antike genutzt werden. Der steile Aufstieg der Türkei beruht nicht nur auf der großen Vielfalt an attraktiven und qualitativ hochwertigen Materialien, sondern auch auf einer jahrtausendealten Tradition im Umgang mit Stein. In den Steinbrüchen wird fast ausschließlich mit Diamantseilsägen gearbeitet, die Gatter und Polierstraßen der großen Exporteure sind dank einer engen Zusammenarbeit mit italienischen Herstellern auf dem neusten Stand der Technik. Mit ihrer großen Investitionsbereitschaft, dank vergleichsweise niedriger Löhne, vor allem aber durch großes Engagement beim Marketing und Vertrieb gelang es den türkischen Unternehmern in den vergangenen 20 Jahren, sich an Natursteingiganten wie Italien und Spanien vorbei in die Top-3 der Welt vorzuarbeiten.
Ägypten
Dank der großen Materialvielt, modernen Maschinen und gut ausgebauten, internationalen Handelsbeziehungen spielen Ägyptens Produzenten weltweit in der ersten Liga. Auf internationaler Ebene spielt Ägypten längst eine große Rolle: 2007 zählte es zu den acht Ländern, die mehr als eine Million Tonnen Rohmaterial und Fertigwaren exportierten. In den letzten Jahren stieg auch die Inlandsnachfrage nach Naturstein. Ägyptische Bauherren suchen derzeit bevorzugt Kalkstein und Marmor; neben Klassikern wie Galala und Sunny vor allem Importmaterialien, unter anderem aus Italien, Spanien, Portugal oder Brasilien. Die gefragtesten Materialien sind überwiegend Weichgesteine, da sich die nationale Produktion – und somit auch der Verkaufspreis - für Granit wegen der steigenden Stahlpreise und Werkzeugkosten stark verteuert hat. Unternehmen, die keine ausreichende Maschinenausstattung für eine konkurrenzfähige Eigenfertigung besitzen, sind auf den Export von Rohmaterial angeweisen, vor allem nach China. Neben der Türkei ist Ägypten Chinas wichtigster Lieferant für Weichgesteine. Ägyptische Hersteller schätzen, dass 80 Prozent des Rohmaterials nach China gehen. In Europa zählen vor allem Spanien und Italien zu den wichtigsten Kunden, einige Exporteure haben aber auch schon Handelspartner im deutschen Markt.
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